Versicherungsarten
Gebäudepolice beim Immobilienkauf — übernehmen oder neu abschließen?
Zuletzt aktualisiert:
Beim Immobilienkauf geht die bestehende Wohngebäudeversicherung des Verkäufers automatisch auf dich über — so will es das Gesetz (§ 95 VVG). Das klingt erstmal praktisch, kann aber teuer werden. Denn der alte Vertrag passt oft nicht zu deinem Risiko. Hier erfährst du, worauf du achten solltest und warum sich eine Prüfung so lohnt.
Kurz erklärt: Was passiert mit der Gebäudeversicherung beim Kauf?
Mit der Eigentumsumschreibung im Grundbuch wirst du automatisch Versicherungsnehmer der bestehenden Wohngebäudeversicherung. Du hast dann:
Sonderkündigungsrecht: Innerhalb von 1 Monat nach Eigentumsumschreibung kannst du den Vertrag kündigen (§ 96 VVG) — wusstest du nichts von der Versicherung, läuft der Monat ab dem Zeitpunkt, an dem du davon erfährst. Auch der Versicherer kann in dieser Situation mit Monatsfrist kündigen.
Keine Lücke: Bis zur Kündigung (oder Ablauf des Sonderkündigungsrechts) bist du durchgehend versichert
Beitragspflicht: Ab Eigentumsumschreibung zahlst du die Beiträge
Wichtig: Lass den Vertrag am besten prüfen, bevor er einfach weiterläuft. Ein alter Vertrag kann dich im Schadenfall viel Geld kosten — durch Unterversicherung, fehlende Bausteine oder veraltete Bedingungen.
Übernehmen oder neu abschließen? Die Prüfung
Die Entscheidung ist kein Entweder-oder — es geht um eine systematische Prüfung des bestehenden Vertrags: Wir prüfen deinen Vertrag gegen aktuelle Tarife und gegen dein konkretes Risiko.
Was wir prüfen
Prüfpunkt | Warum das wichtig ist | Typische Probleme |
|---|---|---|
Versicherungssumme / Wertermittlung | Die Summe muss den Wiederherstellungswert (gleitender Neuwert) korrekt abbilden — sonst droht Unterversicherung | Alte Verträge mit fester Summe (Wert 1914), nie angepasst. Zubauten, Sanierungen, Ausbauten nicht gemeldet. |
Versicherte Gefahren | Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel sind Standard — aber Elementar oft nicht | Kein Elementarschutz (Starkregen, Überschwemmung, Rückstau). Besonders kritisch bei Hanglagen, Flussnähe oder Keller. |
Bedingungswerk (AVB) | Alte Bedingungen (z. B. VGB 88 oder VGB 2002) haben deutlich schlechtere Leistungen als aktuelle Tarife | Keine grobe Fahrlässigkeit mitversichert, enge Leitungswasser-Definition, keine Überspannungsschäden. |
Selbstbeteiligung | Manche Altverträge haben hohe SB oder ungünstige Regelungen | SB von 1.000–2.500 € bei Leitungswasser, die der Vorbesitzer nie bemerkt hat. |
Nebengebäude & Anlagen | Garage, Carport, Gartenhaus, PV-Anlage, Wärmepumpe — alles muss mitversichert sein | PV-Anlage nachträglich installiert, aber nie in der Police gemeldet. Carport nicht erfasst. |
Preis-Leistungs-Verhältnis | Altverträge sind oft deutlich teurer als aktuelle Tarife bei besserer Leistung | Vertrag seit 15 Jahren nicht verglichen — doppelter Beitrag bei halber Leistung. |
Wann du den alten Vertrag kündigen solltest
Veraltetes Bedingungswerk (VGB 88, VGB 2002 oder älter) — aktuelle Tarife sind in der Regel deutlich besser
Kein Elementarschutz enthalten — und der Versicherer bietet keinen Einschluss an
Unterversicherung: Die Summe bildet den aktuellen Gebäudewert nicht ab (besonders nach Sanierung/Anbau)
Überhöhter Beitrag bei unterdurchschnittlicher Leistung
Fehlende Bausteine: Keine grobe Fahrlässigkeit, keine Überspannung, enger Leitungswasserbegriff
Wann der alte Vertrag bleiben kann
Aktuelles Bedingungswerk (VGB 2019 oder neuer) mit gutem Deckungsumfang
Elementarschutz bereits enthalten
Summe korrekt und gleitender Neuwert vereinbart
Guter Beitrag im Vergleich zu aktuellen Tarifen
Schadenfreiheit: Manche Versicherer belohnen langjährige schadenfreie Verträge — ein Wechsel kann diesen Vorteil kosten
Tipp: Auch wenn du den Vertrag behältst — lass ihn anpassen. Elementarschutz nachbuchen, Summe aktualisieren, Nebengebäude ergänzen. Das geht meist ohne Kündigung.
Anpassung an das Risiko — der wichtigste Schritt
Egal ob du den alten Vertrag übernimmst oder einen neuen abschließt — die Anpassung an dein konkretes Risiko ist besonders wichtig:
Risikofaktoren, die in die Police gehören
Bauart und Baujahr — Fachwerkhaus vs. Massivbau, Altbau vs. Neubau
Dacheindeckung — Reet, Schiefer, Ziegel (Reet = deutlich höheres Brandrisiko)
Heizungsart — Ölheizung mit Tank (→ Gewässerschadenhaftpflicht!), Wärmepumpe, Pellets
Lage und ZÜRS-Zone — Hochwasserrisiko (Zone 1–4), Hanglagen, Grundwassernähe
Keller — vorhanden? Ausgebaut? Wertgegenstände dort gelagert? → Rückstau-Klausel prüfen!
Leitungswassernetz — Alter der Rohre, Material (Blei, Kupfer, Kunststoff)
Photovoltaik, Solarthermie, Wallbox — alles, was auf oder am Gebäude installiert ist
Nebengebäude — Garage, Gartenhaus, Carport, Pool-Technikraum
Der richtige Zeitpunkt: So gehst du vor
Vor dem Kauf: Bestehende Gebäudepolice vom Verkäufer/Makler anfordern (Versicherungsschein + aktuelle Bedingungen)
Vor der Übergabe: Police von FYNGO prüfen lassen
Bei Eigentumsumschreibung: Entscheidung treffen — übernehmen (ggf. mit Anpassung) oder kündigen + neu abschließen
Falls Kündigung: Sonderkündigungsrecht innerhalb 1 Monat nach Grundbucheintrag nutzen. Neuen Vertrag nahtlos anschließen — keine Lücke!
Nach Einzug: Änderungen melden (Umbau, PV-Anlage, Carport etc.)
Hinweis: Die Wohngebäudeversicherung geht kraft Gesetzes über (§ 95 VVG). Die Bank verlangt in der Regel lückenlosen Schutz als Kreditbedingung. Eine fundierte Prüfung schützt dich vor bösen Überraschungen im Schadenfall. Maßgeblich sind immer die Bedingungen des jeweiligen Versicherers.
So hilft FYNGO
Die Gebäudepolice beim Immobilienkauf gehört zu den Dingen, die man einmal richtig machen muss. Wir übernehmen:
Vertragsprüfung: Bestehenden Vertrag analysieren — Bedingungen, Summe, Gefahren, Preis
Risikoanpassung: Dein konkretes Gebäude, deine Lage, deine Ausstattung — richtig versichert
Neuer Tarif: Wenn der alte Vertrag nicht passt — wir vergleichen für dich passende Tarife vieler Versicherer
Nahtloser Wechsel: Kündigung, Neuabschluss und Bankabtretung in einem Vorgang
Elementar-Check: ZÜRS-Zonen-Prüfung und Empfehlung für deinen Standort
Weiterlesen
Wir schauen uns das mit dir an.
Ob dein bestehender Vertrag das abdeckt, was hier steht, sagen wir dir in einem kurzen Gespräch. Der Einstieg ist kostenfrei — ohne Kosten, ohne Mindestlaufzeit.
Mehr aus dieser Rubrik
PKV-Beitragserhöhung — was kannst du jetzt tun?
Kfz-Versicherung wechseln — so geht’s richtig
Reiseversicherung — was brauchst du wirklich im Urlaub?
Gebäudepolice beim Immobilienkauf — übernehmen oder neu abschließen?
Pflegelücke — was die gesetzliche Pflegeversicherung wirklich zahlt
Betriebliche Krankenversicherung (bKV) — Ihr Gesundheits-Benefit vom Arbeitgeber


